DIE VORSCHAU: "Bist Du noch normal?" Eine Reise von Mainstream zu Subkultur.
PREMIERE AM 17.12.2013

Die ANDEREN und wir

Wie diese Website entstanden ist, wie es zur Auswahl der Subkulturen gekommen ist und warum wir sie ausschließlich mit dem iPhone begleitet haben: Dieses journalistische Projekt ist anders als andere. In vielerlei Hinsicht

“Freaks”, dachte die Reporterin Friederike Corts, als sie das erste Video von “Bodymoddern” sah – volltätowierte, gepiercte Typen, die sich mit Haken an ihrer eigenen Haut aufhängen und dann zugedröhnt von der Decke baumeln. Muss man sich sowas anschauen? Grenzwertig. Solche Typen treffen? Bitte nicht. Aber dann entstand die Idee zu diesem Projekt: ein crossmediales Webmagazin über deutsche Subkulturen. Und der Auftrag an Friederike Corts lautete: in die Bodymodder-Szene eintauchen. Ausgerechnet.

Warum haben wir uns “unter Andere” begeben? Weil wir, 16 junge Journalisten der Axel Springer Akademie, Grenzen austesten wollten. Grenzen der gesellschaftlichen Akzeptanz: Wir wollten Menschen und Szenen erleben, die sich dem Sog der Masse widersetzen. Aber auch unsere eigenen Grenzen wollten wir ausloten: Wie nah kommen wir Reporter an die Protagonisten dieser fremden Lebenswelten heran?

Damals ahnten wir noch nicht, was das für uns heißen würde. Es bedeutete Menschen kennenzulernen, die sich in ihrer Freizeit die Haut aufschlitzen; Hexen dabei zuzusehen, wie sie Geister beschwören; einen Mann bei der ménage-a-trois mit seinen beiden Geliebten zu filmen. Es bedeutete, Ängste zu überwinden, Vorurteile hinter sich zu lassen und unseren Begriff von Normalität in Frage zu stellen.

Die Auswahl der hier porträtierten Subkulturen ist eine Momentaufnahme. Wer weiß schon, welche Randgruppe morgen bereits spießiger Mainstream geworden ist? Momentaufnahme auch in anderer Hinsicht: Es gibt noch viele Szenen, die zu durchleuchten sich lohnen würde. BDSM, Gothic, Hiphopper, Gamer, Konsumverweigerer, um nur einige zu nennen. Genug Stoff jedenfalls für eine Fortsetzung.

Der mobile Reporter Reiner Reitsamer. (Foto: Frey/UnterANDEREN)

Mobile Reporting: ein neuer Journalismus

 

Mit unterANDEREN haben wir ein Zukunftsszenario realisiert:
Eine Website mit Multimedia-Reportagen - produziert mit Smartphones. Für keinen Film, kein Interview und kein Bild dieser Seite kamen andere Kameras zum Einsatz als die unserer iPhone 5s. 

"Mobile Reporting"- das heißt für einen Reporter, überall, sein Smartphone aus der Tasche ziehen zu können und  Momente einzufangen. Die technische Entwicklung hat ein Stadium erreicht, in dem sich Smartphonefilme fast nicht mehr von herkömmlichen Filmproduktionen unterscheiden lassen.

Wir wollten beweisen, dass ein Smartphone genügt, um mit Bildern und Filmen starke Geschichten in hoher Qualität zu erzählen. Mobile Reporting in dieser Dimension hat es noch nie gegeben.  

Von Freaks und Menschen

Die Gespräche und Treffen für dieses Projekt haben uns verändert. Wir sind offener und auch nachdenklicher geworden. So wie Friederike Corts. Einen Monat, nachdem sie es zum ersten Mal mit Bodymoddern zu tun hatte, kam sie von einem Treffen mit dem harten Kern aus dem Milieu zurück. Für Außenstehende sehen die Bilder dieser Veranstaltung aus wie eine Freakshow. Für unsere Reporterin war es “ein Nachmittag mit spannenden Menschen”.

Wir wollen keine Freaks zeigen, sondern Menschen. Hinter ihren Lebensweisen stecken Wünsche, Verletzungen, Sehnsüchte. Wie bei jedem von uns. "UnterANDEREN" ist vom Bewusstsein geprägt, dass der Mainstream sich jederzeit wandeln kann - der interaktive Zeitstrahl (rechts) beweist es.

Aber was ist das eigentlich, Mainstream? Die Masse, die entscheidet, was "richtig" ist und was "falsch". Alle paar Jahre, manchmal viel schneller, definiert er seine Regeln neu. Und am Ende bleibt die eine rhetorische Frage: Was ist schon normal?

Beim Anklicken der Marker auf der Weltkarte erscheinen skurille, lustige und auch tragische kurze Geschichten. Überall auf der Welt gibt es Menschen, die das Bedürfnis haben, viele zu lieben oder zu heiraten, fanatisch ihren Lieblingsverein anzufeuern, zu hexen, Straight Edge zu leben oder den eigenen Körper zu modifizieren. Doch wie die jeweilige dominante Gesellschaft darauf reagiert, reicht von Toleranz bis hin zu brutaler Verfolgung.